| · | Ticket sale | · | Preise | · | Eintrittskarten kaufen | · | Siehe Kapazität |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 18 Dezember | A 27€ B 20€ C 15€ D 10€ | ||||||
Direktor RUBÉN GIMENO
Geige JULIAN RACHLIN
Prinz Igor (Polowetzer Tänze), A. Borodin
Konzert Nr. 1 für Geige und Orchester, Op.77, D. Shostakovich
Die Frühlingsweihe (Le Sacre du printemps), I. Stravinsky
Wenn wir über eine Zeitmaschine verfügen würden, wäre es wirklich faszinierend zahlreiche Momente der Musikgeschichte näher zu beobachten, von den intimsten unter ihnen, bis hin zu den phänomenalsten Augenblicken. Doch ganz ohne Zweifel würden es viele von uns keineswegs verpassen eine Eintrittskarte für die Erstaufführung der Frühlingsweihe (Le Sacre du printemps) im Champs-Élysée Theater in Paris am 29. Mai 1913 zu kaufen.
Gewohnt an ein respektvolles und vielleicht sogar gleichgültiges Publikum, dem es egal ist, was auf der Bühne passiert, rufen die Nachrichten des kolossalen Skandals dieses Balletts bei seiner Erstaufführung einen gewissen Kitzel bei uns hervor, ein unersättliches Bedürfnis zu erfahren, warum es dazu kam. Es gab nicht nur einen einzigen Grund dafür und wahrscheinlich werden wir alle Gründe nie erfahren. Wir wissen, dass der Unternehmer, der unerlässliche Sergei Diaguilev zufrieden mit sich war: seine Nase hatte mal wieder Recht gehabt. Aber, was hatte diese Musik an sich, um diese Reaktion hervorzurufen, die von dem Kritiker der Partitur mit „Emotionen wie die von primitiven Menschen“ verglichen wurde? Wie konnte die Frühlingsweihe von Igor Stravinsky nach diesem Skandal überleben? An diesem Maitag drang die Frühlingsweihe tumultartig in die Musikgeschichte ein, doch ab seiner nächsten Aufführung war sie in der Lage das gesamte Publikum mit der Kraft eines gro?artigen Orchesters und eines rhythmischen Triebs, der aus dem tiefsten Innern zu kommen schien, zu verführen, oder besser gesagt zu erobern.
Weitere Erfolge kommen für die Komponisten sehr spät, wie z.B. bei der nachgelassenen Erstaufführung der Oper Prinz Igor von Alexander Borodin. Der begeisterte Applaus, den sie in Russland und auch in Paris erhielt, konnte von Borodin nicht mehr erlebt werden, ermöglichte jedoch, dass sie nicht verloren ging und in finanzieller Hinsicht konnte ein Stipendium geschaffen werden, das dann Shostakovich zugute kam.
Das Konzert Nr. 1 für Geige und Orchester, op.77, von Dmitri Shostakovich verblieb sieben Jahre in einer Schublade. Shostakovich dachte, dass es, nachdem er öffentlich von den politischen Behörden zurechtgewiesen worden war, besser sei das Werk nicht bekannt zu geben, und zwar einfach deswegen, weil er in diesem die intimste Seite seines künstlerischen Bewusstseins verkündet hatte. Am 29. Oktober 1955 wurde sie schlie?lich in Leningrad erstaufgeführt. Die Antwort war: Schweigen, schweigen. Wie weit entfernt von dem ohrenbetäubenden Tumult der Frühlingsweihe! Die Presse spricht weiterhin tagelang nicht über die Oper, bis der gro?e Beschützer derselben, der Violinist David Oistrach, ihr ein Lob aussprach. Von da an geht die Angst verloren und sie erhält weiterhin Applause.